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Hebel

Was ist ein Turbo?

Von Dennis Bosmans · Aktualisiert June 2026 · 4 Min. Lesezeit · Risikohinweis

Ein Turbo ist ein gehebeltes Zertifikat, das von einer Bank emittiert wird und dir erlaubt, mit einem Bruchteil des Kapitaleinsatzes eine gehebelte Wette auf eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff einzugehen. Er ist eines der beliebtesten Retail-Hebelprodukte Europas — aber sein prägendes Merkmal, der Knock-Out, sorgt dafür, dass er sich völlig anders verhält als eine Option. Das Finanzierungslevel und diese Barriere zu verstehen, macht den Unterschied aus zwischen jemandem, der einen Turbo für sich nutzt, und jemandem, den er auslöscht.

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Das Finanzierungslevel und wie der Hebel entsteht

Ein Turbo Long lässt dich den vollen Wert des Basiswerts kontrollieren, während du nur einen Teil davon finanzierst — den Rest finanziert der Emittent, bis zum Finanzierungslevel. Du zahlst für die Differenz zwischen dem Preis und diesem Level, somit kostet ein Turbo auf eine 50-€-Aktie mit einem Finanzierungslevel von 40 € etwa 10 € (je nach Bezugsverhältnis). Dieser kleinere Einsatz ist die Quelle des Hebels.

Der Hebel ist schlicht der Kurs geteilt durch deinen Einsatz: 50 € ÷ 10 € = 5×. Eine Bewegung der Aktie von 2 % bewegt den Turbo dann um rund 10 %. Ein Turbo Short dreht das Ganze um — das Finanzierungslevel liegt über dem Preis, und du profitierst, wenn der Basiswert fällt. Je näher das Finanzierungslevel am Preis liegt, desto höher der Hebel und desto näher der Knock-Out.

Die Knock-Out-Barriere — das prägende Risiko

Jeder Turbo hat ein Knock-Out- (oder Stop-Loss-) Level nahe seinem Finanzierungslevel. Berührt der Basiswert diese Schwelle, endet der Turbo sofort — meist mit geringem oder gar keinem Rückzahlungswert. Das ist das eine Merkmal, das einen Turbo von einer Option unterscheidet: Von einem Knock-Out gibt es keine Erholung, selbst wenn die Aktie eine Minute später zurückspringt.

Das macht einen Turbo genau dort unerbittlich, wo eine Option nachsichtig ist. Eine Long-Option, die gegen dich läuft, verliert lediglich an Wert und überlebt; ein Turbo, der seine Barriere berührt, ist tot. Höherer Hebel bedeutet eine nähere Barriere, also sind genau die billigen Turbos mit hohem Hebel diejenigen, die am ehesten ausgeknockt werden.

Kosten: Finanzierung statt Zeitwertverfall

Ein Turbo hat keinen optionstypischen Zeitwert, also leidet er weder unter Theta-Verfall noch bewegt er sich mit der impliziten Volatilität. Stattdessen zahlst du Finanzierungskosten: Das Finanzierungslevel steigt bei einem Long jeden Tag ein wenig an (bei einem Short fällt es) und zehrt still am Wert, je länger du hältst. Die meisten Turbos laufen endlos, ohne Verfall — es gibt nur die Barriere und die Finanzierungskosten.

Ein Turbo folgt dem Basiswert also nahezu linear (gehebelt um den Hebel), abzüglich langsam anfallender Finanzierungskosten, bis er entweder verkauft wird oder ausknockt. Dieses lineare Verhalten ohne Greeks ist in guten Zeiten einfacher als eine Option — und an der Barriere brutal.

Praxisbeispiel. Eine Aktie notiert bei 50 €. Ein Turbo Long mit einem Finanzierungslevel von 40 € kostet etwa 10 € und liefert rund 5× Hebel, mit einem Knock-Out um €40. Steigt die Aktie auf 52 € (+4 %), ist der Turbo rund 12 € wert (+20 %). Fällt sie auf 40 €, knockt der Turbo aus und die 10 € sind praktisch weg — ein Rückgang der Aktie von 20 % hat 100 % der Position ausgelöscht. Dieselbe Überzeugung wie bei einem Long Call, aber ohne Boden unter dem Verlust.
Wichtigste Punkte

Häufige Fragen

Was ist ein Turbo einfach erklärt?

Ein Turbo ist ein von einer Bank emittiertes gehebeltes Zertifikat. Du finanzierst nur die Differenz zwischen dem Preis des Basiswerts und einem Finanzierungslevel, was dir gehebeltes Exposure verschafft. Er folgt dem Basiswert nahezu linear, endet aber sofort, wenn der Kurs seine Knock-Out-Barriere berührt.

Was passiert, wenn ein Turbo ausknockt?

Er wird sofort beendet und zahlt wenig oder nichts aus (manchmal einen kleinen Restwert oberhalb des Finanzierungslevels). Anders als bei einer Option gibt es keine Erholung, wenn der Basiswert danach zurückspringt — die Position ist endgültig geschlossen.

Ist ein Turbo dasselbe wie eine Option?

Nein. Ein Turbo hat ein nahezu lineares, um den Hebel gehebeltes Auszahlungsprofil ohne Zeitwert oder Sensitivität gegenüber impliziter Volatilität, aber eine Knock-Out-Barriere, die zum Totalverlust führen kann. Eine Long-Option hat Zeitwertverfall und IV-Sensitivität, aber ihr Verlust ist auf die Prämie begrenzt und sie kann nicht ausgeknockt werden.

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