Was ist ein Turbo?
Ein Turbo ist ein gehebeltes Zertifikat, das von einer Bank emittiert wird und dir erlaubt, mit einem Bruchteil des Preises eine gehebelte Wette auf eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff einzugehen. Er ist eines der beliebtesten Retail-Hebelprodukte Europas — aber sein prägendes Merkmal, der Knock-Out, sorgt dafür, dass er sich völlig anders verhält als eine Option. Das Finanzierungslevel und diese Barriere zu verstehen ist der Unterschied zwischen einem, der einen Turbo nutzt, und einem, der von ihm ausgelöscht wird.
Den Long Call-Rechner öffnen →Das Finanzierungslevel und wie der Hebel entsteht
Ein Turbo Long lässt dich den vollen Wert des Basiswerts kontrollieren, während du nur einen Teil davon finanzierst — den Rest finanziert der Emittent, bis zum Finanzierungslevel. Du zahlst für die Differenz zwischen dem Preis und diesem Level, also kostet ein Turbo auf eine €50-Aktie mit einem Finanzierungslevel von €40 etwa €10 (je nach Bezugsverhältnis). Dieser kleinere Einsatz ist die Quelle des Hebels.
Der Hebel ist schlicht der Preis geteilt durch deinen Einsatz: €50 ÷ €10 = 5×. Eine Bewegung der Aktie von 2 % bewegt den Turbo dann um rund 10 %. Ein Turbo Short dreht das Ganze um — das Finanzierungslevel liegt über dem Preis, und du profitierst, wenn der Basiswert fällt. Je näher das Finanzierungslevel am Preis liegt, desto höher der Hebel und desto näher der Knock-Out.
Die Knock-Out-Barriere — das prägende Risiko
Jeder Turbo hat ein Knock-Out- (oder Stop-Loss-) Level nahe seinem Finanzierungslevel. Berührt der Basiswert es jemals, endet der Turbo sofort — meist mit wenig oder keinem Rückzahlungswert. Das ist das eine Merkmal, das einen Turbo von einer Option trennt: Von einem Knock-Out gibt es keine Erholung, selbst wenn die Aktie eine Minute später zurückspringt.
Das macht einen Turbo genau dort unerbittlich, wo eine Option nachsichtig ist. Eine Long-Option, die gegen dich läuft, verliert lediglich an Wert und überlebt; ein Turbo, der seine Barriere berührt, ist tot. Höherer Hebel bedeutet eine nähere Barriere, also sind genau die billigen Turbos mit hohem Hebel diejenigen, die am ehesten ausgeknockt werden.
Kosten: Finanzierung statt Zeitwertverfall
Ein Turbo hat keinen optionstypischen Zeitwert, also leidet er weder unter Theta-Verfall noch bewegt er sich mit der impliziten Volatilität. Stattdessen zahlst du Finanzierungskosten: Das Finanzierungslevel steigt bei einem Long jeden Tag ein wenig an (bei einem Short fällt es) und zehrt den Wert leise auf, je länger du hältst. Die meisten Turbos sind endlos laufend, ohne Verfall — es gibt nur die Barriere und den Finanzierungsdrag.
Ein Turbo folgt dem Basiswert also nahezu linear (gehebelt um den Hebel), abzüglich eines langsamen Finanzierungs-Aderlasses, bis er entweder verkauft wird oder ausknockt. Dieses lineare Verhalten ohne Greeks ist in guten Zeiten einfacher als eine Option — und an der Barriere brutal.
- Ein Turbo finanziert einen Teil der Position; dein Einsatz ist die Differenz zum Finanzierungslevel, und diese Differenz erzeugt den Hebel.
- Hebel = Preis ÷ Einsatz; ein näheres Finanzierungslevel bedeutet mehr Hebel und einen näheren Knock-Out.
- Der Knock-Out ist das prägende Risiko: Wird die Barriere berührt, endet der Turbo, meist nahezu wertlos, ohne Erholung.
- Kein Zeitwertverfall, keine IV; stattdessen tägliche Finanzierungskosten — Turbos sind endlos laufend, bluten aber, je länger du hältst.
Häufige Fragen
Was ist ein Turbo einfach erklärt?
Ein Turbo ist ein von einer Bank emittiertes gehebeltes Zertifikat. Du finanzierst nur die Differenz zwischen dem Preis des Basiswerts und einem Finanzierungslevel, was dir gehebeltes Exposure verschafft. Er folgt dem Basiswert nahezu linear, endet aber sofort, wenn der Preis seine Knock-Out-Barriere berührt.
Was passiert, wenn ein Turbo ausknockt?
Er wird sofort beendet und zahlt wenig oder nichts aus (manchmal einen kleinen Restwert oberhalb des Finanzierungslevels). Anders als bei einer Option gibt es keine Erholung, wenn der Basiswert danach zurückspringt — die Position ist endgültig geschlossen.
Ist ein Turbo dasselbe wie eine Option?
Nein. Ein Turbo hat ein nahezu lineares, um den Hebel gehebeltes Auszahlungsprofil ohne Zeitwert oder Sensitivität gegenüber impliziter Volatilität, aber eine Knock-Out-Barriere, die zum Totalverlust führen kann. Eine Long-Option hat Zeitwertverfall und IV-Sensitivität, aber ihr Verlust ist auf die Prämie begrenzt und sie kann nicht ausgeknockt werden.
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